Martin Pfeifle
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Hammerschmidt+Gladigau, Erfurt, 2015

Rocks

Gemeinschaftsarbeit von Christoph Westermeier und Martin Pfeifle

Für den Projektraum Hammerschmidt+Gladigau in Erfurt wurde ein künstlicher Travertin  Steinbruch aus Plakatdrucken geschaffen. Das Motiv wude vor Ort von der Wandvertäfelunbg des ehemaligen Blumenladen abfotografiert. Im zugehörigen Schaufenster nebenan wurde die Installation mit einem Großplakat kombiniert, das die Größe und das Motiv des Steins aufnimmt.  

 

Collaboration Christoph Westermeier and Martin Pfeifle

An artificial travertine quarry made out of poster prints was made for the project space Hammerschmidt+Gladigau, Erfurt. The motive was taken from the wall covering the former flower shop. A large format print dealing with size and image of rocks was installed in the window next door.

 

 

„Übrigens lässt sich die Sache auch noch von einer anderen Seite betrachten. Man denke sich einmal die Natur, nicht so wie sie wirklich ist, sondern als wäre sie gemalt, ergründe sie dann so genau als möglich und lege sich dann die Frage vor, auf welche Weise die geschickte Hand des Menschen ein solches Meisterstück zu Stande gebracht hat? Wie muss man dabei zu Werke gehen? Wie musste das Kunstwerk begonnen und vollendet werden?“1

 

Man traf sich im Studio. Der große Raum bestand aus einer Ansammlung unterschiedlicher Möbelstücke, die frühere Bewohner dagelassen bzw. angesammelt hatten. Eigentlich alles recht Geschmacksfrei. Den einzig schönen Stuhl hatte Christoph selbst mitgebracht, doch der Großteil war wie von selbst bei ihm gelandet. Dennoch hatte der Raum durch seine Größe und Proportion eine positive Ausstrahlung. Martin setzte sich, schlug die Beine übereinander und hörte zu: 

 

Encomium

Danced before stone
The street will
    not be built
Getting back on 1926
You ought to try
    this line
Shave the mountain
Just had some work
    Twirler2

Christoph war Stolz auf seinen neuen Fund, ein Gedicht von Richard Tuttle, ein tanzendes Loblied, eine steinerne Feststellung in zeitlicher Möglichkeit; das Bild: shave the mountain: dude, we need to make our way towards the stage. This grassy knoll is all full of freaky twirlers3.

Er blickte auf und sah, dass er auf Unverständnis stieß. So lief das nicht. 

„Obwohl die nähere Kenntnis des natürlichen Zustandes der Dinge kein absolutes Erfordernis zur Aneignung unsere Methode ist, so ist sie jedenfalls eines der zweckdienlichsten Mittel dazu, und es ist außer Frage, dass die größere oder geringere Geschicklichkeit, die man in diesem Fache sich erwirbt, von dem Maße der Deutlichkeit abhängt, mit dem man sich die nachzuahmenden Gegenstände vorzustellen vermag.4

Die Nachahmung übte noch immer einen großen Reiz auf ihn aus. Im Zeitalter der digitalen Bilderflut setzte er auf Bildverwaltung. Die Bildermasse hatte für ihn eine physische Präsenz und er hatte Schwierigkeiten, dies zu ignorieren. Martin war da anders. Er ging die Dinge von einem anderen Standpunkt her an. Nicht das Buch war sein Ausgangspunkt, sondern der Raum. Dabei hatte er den besseren Riecher. Er nahm den Nachdruck zur Hand „Sollte es dem Menschen nicht möglich sein, durch unablässiges Forschen, durch allumfassende Betrachtung und ausdauernden Fleiß die Natur zu erreichen und ihr nahebei zu kommen? Mag dann das Schaffen des Menschen in mancher Hinsicht auch hinter dem Original, das die Natur bietet, zurückbleiben, so wird man durch beides Streben doch einen Grad der Vollkommenheit erreichen, der die bisherigen Erfahrungen und Erwartungen bei weitem übertrifft.“5 

 

___

 

1 Paul van der Burg, Holländische Malschule für Holz- und Marmor-Imitationen, Weimar 1895

2 Richard Tuttle, 8 Poems, New York, 2011

3 Adam Nass, www.urbandictionary.com/define.php?term=twirler

4 Paul van der Burg, Holländische Malschule für Holz- und Marmor-Imitationen, Weimar 1895

5 Paul van der Burg, Holländische Malschule für Holz- und Marmor-Imitationen, Weimar 1895

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